5. Mittel und Methoden pädagogischen Handelns

5.1. Das Spiel

"Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, so lang man klein ist - dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird. Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Innern, an die man sich halten kann." (Astrid Lindgren)

Als Freispiel bezeichnen wir den Zeitraum, in dem die Kinder frei über Spielart, Spielmaterial, Spieldauer, Spielpartner und Spielort entscheiden.

Das Spiel stellt die elementarste Lebens- und Lernform des Kindes dar.
Deshalb wird in unserer Einrichtung dem Freispiel ein hoher Stellenwert beigemessen.

Spielen und Lernen sind keine Gegensätze, sondern eng miteinander verknüpft.
Freie Spielprozesse sind immer auch Lernprozesse, denn Kinder lernen in erster Linie durch freies Spielen.

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So werden während des Spieles vier verschiedene Basiskompetenzen gefördert:

5.1.1. Personale Kompetenz

Die Förderung der personalen Kompetenz (Ich-Kompetenz) umfasst,

  • die Eigenwahrnehmung nd die Befriedigung eigener Bedürfnisse
    (Was tut mir heute gut? Auf welche Form von Spiel habe ich Lust?)
  • die Entwicklung des Gefühls für Anspannung und Entspannung
    (In welchem Spiel finde ich nach einer Anstrengung wieder Ruhe und Entspannung?)
  • die Einschätzung eigener Stärken und Schwächen
  • die eigene Entscheidung, womit, mit wem, wo, wie und wie lange gespielt wird
  • die Selbstverantwortung für das eigene Tun und die eigenen Entscheidungen
  • das freie Spiel mit eigenen Interessen, Wünschen, Ängsten und Phantasien

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5.1.2. Sozialkompetenz

Die Förderung der Sozialkompetenz umfasst,

  • Kommunikation und Interaktion
  • Beachtung von Gruppenregeln
  • Begegnung mit Freunden
  • Konfliktlösung
  • Verantwortung für das eigene Tun
  • Positionierung innerhalb der Gruppe
  • Meinungsäußerung

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5.1.3. Lernmethodische Kompetenz

Die Förderung der Lernmethodischen Kompetenz umfasst,

  • ein Lernen durch Versuch, Irrtum und eigene Erfahrungen
  • Erfahrungen mit sich selbst, in der Gruppe und mit unterschiedlichen Materialien
  • Informationsbeschaffung und deren Vertretung
  • sich selbst Lernaufgaben und Ziele zu setzen
  • eigene Lernprozesse zu hinterfragen
    (Was kann ich schon gut? Was möchte ich noch lernen? Was könnte ich anders angehen?)

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Bausteine

5.2. Das "Spielen in der Bauecke"

Viele unserer Kinder spielen gerne in der Bauecke.

Der Sinn und die Hintergründe von Konstruktions- und Bauspielen

Im Konstruktionsspiel lernt das Kind nach verschiedenen Stadien des Bauspiels, zuerst mit einfachem (Duplo, Holzbauklötze, ...), später mit anspruchsvollerem Material (Playmobil, Lego, Poly M, Konstri) das Konstruieren.

Ausgehend vom Umgang mit Bauklötzen über Legosteine bis hin zum Konstruktionsbau-kasten, etc. ahmt das Kind die Realität nach und begreift und variiert damit technisch- konstruktive Zusammenhänge.

Lerneffekt und Erfahrungen beim Umgang mit Konstruktions- und Bauspielen

Kinder:

  • stellen auf ihre Weise die Realität dar und reproduzieren Bekanntes (wiedererkennbare Bauwerke, die sie auch benennen, z.B. Flugzeuge, Fahrzeuge)
  • lernen mit Gleichaltrigen zusammenzuarbeiten. Immer wieder entstehen Bauwerke im Rahmen einer Gemeinschaftsarbeit
  • treten über das Bauen in Interaktion mit anderen Kindern und schlüpfen in Rollenspiele
  • üben sich im Ideenreichtum und in ihrer Kreativität
  • beweisen große Ausdauer und Konzentration beim Bau eines Werkes. Die Kinder bleiben eine lange Zeitspanne konzentriert bei der Sache. Einige Kinder dehnen das Bauen auch über mehrere Tage aus.
  • üben sich in ihrer Hand- und Fingergeschicklichkeit (Feinmotorik), besonders bei kleinen Bauteilen
  • entwickeln Verständnis für Größenverhältnisse:
  • sortieren Dinge nach Größe, Form, Farbe, Gewicht und erwerben damit wichtige mathematische Grundkenntnisse
  • lernen Gleichgewicht herzustellen und zu stabilisieren (wie hält welches Bauwerk, ohne umzufallen?)
  • schulen ihr Erinnerungsvermögen um das jeweilige Bauwerk erneut errichten zu können (bestimmte Bauwerke werden nach dem Abbauen wieder gebaut)
  • lernen, Probleme zu lösen
  • entwickeln ein mit dem Bauen verknüpftes Vokabular (welche Teile befinden sich an einem Flugzeug oder einem LKW?)

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5.2.1. Was bedeutet für uns Kinderkonferenz

Hierzu ein Beispiel zum Thema: "Fasching"

Kurz vor Faschingsbeginn treffen sich alle Kinder  um gemeinsam herauszufinden, wie das Faschingsthema  lauten soll.

Kinderkonferenz
Kinderkonferenz

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Folgende Regeln und Erklärungen begleiteten uns:

Regeln und Erklärungen Basiskompetenzen
Kinderkonferenz heißt: Gemeinsam werden Entscheidungen getroffen (demokratische Teilhabe aller Kinder / Mitverantwortung aller) PARTIZIPATION
Jeder kommt zu Wort
(Stoffsammlung)
Mit- und Selbstbestimmung aller Kinder
Wir lassen einander ausreden und hören zu Gesprächs- und Abstimmungsregeln
werden vermittelt (dazu verwendeten wir eine Kelle, die auf einer Seite rote Farbe besitzt = Signal leise sein und zuhörenm und auf der anderen Seite die grüne Farbe besitzt = jetzt rede ich;

Kelle Rot
Die Kelle bei der Kinderkonferenz

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Wir beginnen mit einer Stoffsammlung.
Aus dieser Stoffsammlung können sich mehrere Themenschwerpunkte herauskristallisieren, wie z.B.

Thema Stoffsammlung
Das Leben auf der Burg Prinzessinnen, Ritter, Burg, Schloss, Thron, Feen, Schneewittchen, Hexe, Gespenst, Gaukler, Wachen, Koch
Im, auf und unter dem Wasser Piraten, Schiffe, Meer, Insel, Meerestiere
Der wilde Westen Indianer, Cowboys
Märchen Märchenfiguren

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Die Erzieherinnen legen nun für Kinder optisch unterscheidbar durch verschiedenste Materialien, die Themen in die Mitte

Verschiedene Materialien
Verschiedene Materialien in der Mitte / Kinderkonferenz

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Nun können die Kinder ihr Lieblingsthema wählen – anhand Ihres Garderobensymbols.

Wahl mit Garderobensymbolen
Wahl der Themen mit den Garderobensymbolen

Das Thema mit den meisten Stimmen wird unter Einbindung der Kinderideen und unter Mitwirken der Eltern umgesetzt

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